Konzeption
6. Anamnese und Diagnostik
Bei der Suchtkrankheit handelt es sich um ein vielgestaltiges Krankheitsbild, dessen Behandlung ärztliche, pflegerische, psychotherapeutische, ergotherapeutische und soziale Maßnahmen erfordert. Viele alkohol- und medikamentenabhängige Suchtkranke sind multimorbid erkrankt. Oft handelt es sich dabei um Alkoholfolgeerkrankungen. Es finden sich Stoffwechselstörungen, Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat, Herz-Kreislauferkrankungen, Bronchialerkrankungen u.a. Durch jahrelange Intoxikation ist die psycho-physische Belastbarkeit der Patienten herabgesetzt.
Wir erfassen die zugrundeliegende Persönlichkeitsstruktur der Patienten, d. h. die strukturellen Auswirkungen der Frühentwicklung im Ich-Selbst-System mit den dazugehörigen inneren Objektbeziehungen, dem Organisationsgrad des Ich, der Entwicklung seiner Funktionen, insbesondere seiner Abwehrfunktionen. Des weiteren berücksichtigen wir die Art der Triebentwicklung, der Über-Ich-Entwicklung und die Folgen dieser Strukturen im Sozialverhalten. Dabei erfassen wir die Funktion des Suchtmittels.
Wir erheben im Einzelnen nach den Vorgaben der Deutschen Rentenversicherung (DR):
- eine ausführliche Anamnese anhand festgelegter Fragen
- den somatischen und den psychischen Befund
- die Berufsanamnese etc.
Es werden testpsychologische Instrumente eingesetzt.
Es wird ein psychodynamischer Befund erstellt (BLANK u. BLANK 1981; CLARKIN et al. 2001). Hiervon ausgehend werden für und mit den einzelnen Patienten die vorrangigen Therapieziele klar formuliert und später - wenn nötig - weiterentwickelt. Die individuellen Ziele für die einzelnen Patienten richten sich dabei nach Art und Schwere ihrer Erkrankung, ihrer Persönlichkeitsstruktur und ihrer sozialen Situation. Entsprechend wurden spezielle Kurzkonzepte mit besonderen Behandlungszielen entwickelt (siehe Anlagen A - J).
Der Therapeut hat die Aufgabe, aus seiner Fremdwahrnehmung - dem bei den Patienten beobachteten Verhalten - und aus seiner Eigenwahrnehmung ein diagnostisches Urteil über die vorherrschenden Störungen der Ich-Funktion zu entwickeln. Sein Mittel zur Erkenntnis der vorherrschenden pathologischen Objektbeziehung ist die eigene emotionale Antwort oder Gegenübertragung. Er kann auf diese Weise die Objektbeziehung in ihrem Wunsch- und Abwehraspekt erfassen und sie diagnostisch beurteilen. Auf dieser Grundlage erarbeitet der Therapeut eine gezielte Intervention und macht damit den Mangel den Patienten erlebbar und motiviert sie zur Nachentwicklung ihrer defizitären Ich-Funktionen (BLANK u. BLANK 1981; KERNBERG 1985; HEIGL 1981).
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