Konzeption
9. Therapeutische Maßnahmen
9.1 Medizin
9.1.1 Ärztlicher Bereich
Die Fachklinik wird von einem Facharzt für Nervenheilkunde und Psychotherapeutische Medizin - Rehabilitationswesen/Sozialmedizin - geleitet. Daneben sind ein Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und ein Facharzt für Innere Medizin/Allgemeinmedizin tätig.
Der ärztliche Leiter legt in Absprache mit den Mitarbeitern des Behandlungsteams das therapeutische Programm für alle Patienten fest.
Die apparative Ausstattung ist zeitgemäß.
Die Laboratoriumsdiagnostik wird in dem Zentrallabor der Städtischen Kliniken Oldenburg durchgeführt. Das Labor ist rund um die Uhr besetzt. Für Konsiliaruntersuchungen stehen niedergelassene Fachärzte zur Verfügung.
Montag bis Freitag findet eine medizinische Sprechstunde statt.
Durch Anwendung natürlicher Heilmethoden kann die Verabreichung von Psychopharmaka und Schmerzmitteln weitgehend vermieden werden.
An der regelmäßig stattfindenden klinischen Visite nehmen neben Ärzten und Krankenpflegepersonal auch die zuständigen Therapeuten teil. Die Visite hat einen ganzheitlichen Anspruch, d. h., daß nicht nur der somatische Zustand der Patienten behandelt, sondern auch die psychische Seite betrachtet wird. Sie ist psychotherapeutisch geprägt und dient u. a. der Bilanzierung der psychotherapeutischen Arbeit. Darüber hinaus können die bei der Visite vorgebrachten psychosomatischen Beschwerden in den psychotherapeutischen Behandlungsprozeß einbezogen werden.
9.1.2 Pflege
Das in der Suchtkrankenbehandlung erfahrene Pflegepersonal arbeitet eng mit den Ärzten zusammen. Ein regelmäßiger Informationsaustausch ist die Voraussetzung für eine effiziente medizinische Betreuung. Die Nachtwache wird durch ausgebildetes Pflegepersonal wahrgenommen. Der diensthabende Therapeut übt die Rufbereitschaft aus.
9.1.3 Physiotherapie
Zur Klinik gehört eine physiotherapeutische Abteilung mit Sauna. Die dortigen Mitarbeiter führen die physikalische Therapie nach Anweisung der Ärzte durch (medizinische Bäder, Massagen, Krankengymnastik, Rückenschule, Elektro- oder Rotlichtbehandlungen usw.). Soweit keine medizinische Kontraindikation vorliegt, nehmen die Patienten einmal 14-tgl. an der Sauna teil.
9.1.4 Sporttherapie
Der Suchtmittelgebrauch hat häufig zu körperlichen Schäden und Beschwerden sowie zu verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit geführt. Durch sportliche Aktivitäten erfahren die Patienten sich in ihrer Körperlichkeit und können im Training ihre Kräfte erleben und stärken. Sportliche Aktivitäten können die körperliche Belastungsfähigkeit erhöhen. Das hieraus resultierende Wohlbefinden wirkt sich auf die seelische Ausgeglichenheit, die Zufriedenheit und das Selbstbewußtsein aus. Die Sportveranstaltungen finden unter Anleitung einer entsprechenden Fachkraft statt.
Beim Sport werden zudem soziale Konflikte deutlich und ermöglichen eine Bearbeitung in der Gruppenpsychotherapie.
Art und Umfang der sportlichen Aktivitäten werden auf die gesundheitliche Situation und körperliche Belastbarkeit der Patienten abgestellt. Die Patienten werden nach medizinischer Indikation in Leistungsgruppen eingeteilt. Alle Patienten nehmen, soweit sie nicht aus medizinischen Gründen befreit sind, an den Sportveranstaltungen teil. Darüber hinaus werden im gewissen Rahmen weitere Sportveranstaltungen durchgeführt, die sich aus der jeweiligen Gruppensituation ergeben.
Die Patienten erhalten notwendige Anregungen für den Freizeit- und Breitensport, die auch nach der Entlassung zur Ausübung von Sport motivieren.
Rad- und Fußwanderungen in die nähere Umgebung stehen unregelmäßig auf dem Programm.
9.1.5 Ernährung
Es wird Wert auf natürliche Ernährung gelegt. An bestimmten Tagen wird biologisch vollwertige Kost angeboten. Die Kost ist fleischreduziert. Hofeigene Bioland-Produkte werden verarbeitet. Es wird u. a. biologisch vollwertiges Brot gebacken.
Es werden bei Bedarf bestimmte Diäten zubereitet. Diese Diäten berücksichtigen wissenschaftliche Erkenntnisse.
Die Mitarbeiter in der Küche werden durch Ökotrophologen beraten.
Die Patienten werden im Rahmen der medizinischen Informationsgruppe über eine ausgewogene Vollwerternährung informiert (nach den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung).
9.1.6 Gesundheitserziehung/Ernährungsberatung
Informationsveranstaltungen zu medizinischen Fragestellungen finden statt (Indikative Gruppen). Die Patienten haben Gelegenheit, Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen auszutauschen und miteinander zu diskutieren. Inhalte sind die somatischen, psychischen und sozialen Aspekte der Alkoholkrankheit, aber es werden auch Themen wie "Ernährung, AIDS, Hygiene, Körperpflege etc." bearbeitet.
9.1.7 Nichtrauchertraining
Ob jemand Raucher wird, entscheidet sich meist vor dem 20. Lebensjahr. Neugierde, Nachahmung und sozialer Druck verleiten viele Kinder und Jugendliche zum Rauchen (BUNDESÄRZTEKAMMER 1995).
Beim Rauchen kommt dem tabakspezifischen Nikotin eine entscheidende Bedeutung zu. Nikotin ist die zentrale psychoaktive Substanz im Tabakrauch. Der Raucher wird die Nikotinzufuhr bei bestimmten Gefühlslagen und sozialen Situationen einsetzen. Damit bahnen sich Gewohnheitsbildung und pharmakologische Abhängigkeit an. Das Rauchen kann nur noch bedingt vom Raucher selbst gesteuert werden oder wird zur Abhängigkeit mit Kontrollverlust.
Im Rahmen eines Nichtrauchertrainings ist es wichtig, im wesentlichen auf die drei Komponenten des Rauchens einzugehen:
- Gewohnheiten
- positive Konsequenzen des Rauchens
- Nikotinwirkung.
Mit dem Rauchen aufzuhören ist kein einmaliges Ereignis. Es ist ein Lernprozeß in vier Schritten:
- darüber nachdenken, aufzuhören
- Entschluß fassen
- aufhören
- Nichtraucher bleiben.
Die meisten Raucher durchlaufen mehrmals diesen Prozeß, bis sie langfristig erfolgreich Nichtraucher werden.
Aufbauend auf bestehende Programme zum Nichtrauchertraining wurde für die Fachklinik Oldenburger Land ein spezielles Trainingsprogramm entwickelt. Dabei wird dieses Programm zwei Patientengruppen unterscheiden:
- Patienten, die aus medizinischen Gründen notwendigerweise an einem Trainingsprogramm
teilnehmen
- Patienten, die sich freiwillig entschlossen haben, das Rauchen aufzugeben oder zu reduzieren.
9.2 Psychotherapie
9.2.1 Gruppenpsychotherapie
Wie oben angeführt, können drei Schweregrade der Suchterkrankung beschrieben werden. Bei einem kleinen Teil der Patienten entwickelte sich die Suchterkrankung auf der Grundlage einer neurotischen Störung, im Zusammenhang mit einer depressiven Störung oder einer Belastungsreaktion o. ä. Bei den meisten alkohol- und medikamentenabhängigen Suchtkranken liegt eine sogenannte frühe Störung vor. Stationär behandlungspflichtige alkohol- und medikamentenabhängige Suchtkranke zeigen deshalb häufig wesentliche Einschränkungen bezüglich der narzißtischen Selbsthomöostase, der Objektbeziehungen und der Ich-Funktionen.
Oft äußern Patienten entscheidende Aspekte ihrer Psychopathologie durch nichtverbale Mittel, so daß die verbale Kommunikation in individuellen Psychotherapiesitzungen immer nur die Manifestation eines begrenzten Teils ihres gesamten Übertragungsbereiches primitiver Objektbeziehungen zuläßt. Es ist deshalb sinnvoll, bei alkohol- und medikamentenabhängigen Suchtkranken im wesentlichen Psychotherapie in der Gruppe durchzuführen.
Die Gruppe bietet darüber hinaus zahlreiche positive Möglichkeiten, Ich-Funktions-Defizite auszugleichen. In der Gruppe ist es möglich, unter mehreren zu sein. Dies legt nahe, sich auf andere zu beziehen und fördert die Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit. Die Patienten lernen, Konflikte zu benennen, zu ertragen und zu lösen. Unter den Bedingungen der Pluralität lernen sie, Nähe und Distanz in der Pluralität mit anderen zu regulieren. Auch die Überprüfung und Einschätzung der Fähigkeit zur inneren Verarbeitung und zur interpersonellen Regulierung libidinöser und aggressiver Triebbedürfnisse ist unter dem Aspekt des "unter-mehreren-sein" von Bedeutung. Hier können sich die Patienten sowohl in ihrer Einzigartigkeit erleben als auch der Vielfalt zugehörig und verbunden sein. Dies betrifft besonders Personen mit einer Störung der narzißtischen Gleichgewichtsregulation.
Die Patienten kommen nicht umhin, im Rahmen der Gruppe den Autonomie-/ Abhängigkeitskonflikt immer wieder zu überprüfen. Darüber hinaus wird in der Pluralität deutlicher als in der therapeutischen Zweiersituation, wie schwer es ist, die Folgen des eigenen Tuns vorherzusehen. In diesem Zusammenhang kommt es darauf an, die Fähigkeiten zur Realitätsprüfung, zur Antizipation der möglichen Wirkung des eigenen Verhaltens auf andere und auch die Fähigkeit zur Utopie zu prüfen und die damit verbundenen Unsicherheiten und Risiken zu akzeptieren. Risikobereitschaft auf der einen Seite und Wahrung von Sicherheit auf der anderen sind gleichfalls einzuschätzen. Zu prüfen sind außerdem die Toleranzgrenze für Desillusionierung und für das Infragestellen von Sicherheit sowie die Fähigkeit, Konfrontation mit dem Unerwarteten zu ertragen. In diesem Zusammenhang lernen die Patienten auch, Schamgrenzen zu beachten. Damit ist es möglich, Ich-Funktionen positiv zu beeinflussen. Dies betrifft insbesondere Ich-Funktionen wie:
- Introspektionsfähigkeit
- Hemmung und Unterdrückung von Affekten
- Frustrationstoleranz
- Fähigkeit zur Regression im Dienste des Ich
- Fähigkeit zur therapeutischen Ich-Spaltung
- Realitätsprüfung und Urteilsfunktion
- Selbstbeurteilungsfunktion
- Reizbarriere.
Wegen dieser vielen Vorteile liegt deshalb der Schwerpunkt unserer psychotherapeutischen Arbeit in der Gruppenpsychotherapie. Die Gruppenpsychotherapie wird in halboffenen Gruppen durchgeführt. Der unterschiedliche Therapie- und Entwicklungsstand der Patienten einer halboffenen Gruppe hat den wichtigen Vorteil, daß neue Gruppenmitglieder sich am Beispiel und Vorbild der schon länger behandelten Patienten orientieren können. Die erfahrenen Gruppenmitglieder können ihren Entwicklungsstand immer wieder überprüfen und reflektieren.
Die psychotherapeutischen Gruppensitzungen werden von einem Psychotherapeuten geleitet. Zweimal in der Woche wird der Psychotherapeut in der Gruppe von einem Co-Therapeuten unterstützt. Die Interventionen in den Gruppensitzungen erfolgen auf der Grundlage des fortzuschreibenden Behandlungsplanes.
Der Gruppenpsychotherapie kommt im gesamten therapeutischen Geschehen eine wesentliche Bedeutung zu. Ihr Ziel ist es, den Patienten zu helfen, ihre bisherigen Erfahrungen besser zu verstehen und realitätsgerechte Verhaltensweisen zu erarbeiten. Zu Behandlungsbeginn stehen Verlauf und Folgen der Suchterkrankung im Vordergrund. Es werden Zusammenhänge von Sucht und Persönlichkeit anhand der Lebensläufe erarbeitet. Später werden diese Zusammenhänge auf der Grundlage der Biographie, aber zunehmend auch aufgrund des aktuellen Verhaltens vertieft. Die Gruppenpsychotherapie ermöglicht sowohl Ich-Entlastung als auch Ich-Stärkung. Es gibt keine vorgeplante Themenabfolge, sondern die Gruppe orientiert sich an den jeweiligen Problemen des einzelnen und an gruppendynamischen Prozessen.
Im Sinne einer differentiellen Therapie kommen bei tiefenpsychologischer Grundorientierung verschiedene Elemente psychotherapeutischer Methoden zur Anwendung:
- tiefenpsychologische Methoden
- psychoanalytisch-interaktionelle Therapie
- Gesprächspsychotherapie
- systemische Angehörigenarbeit.
9.2.1.1 Tiefenpsychologische Methoden
Bei Suchtkranken mit Störungen aus dem neurotischen Formenkreis oder hinreichend ausgebildetem Normal-Ich, mit zwar beeinträchtigten, jedoch grundsätzlich verfügbaren Ich-Funktionen, aber auch bei Suchtkranken mit Angsterkrankungen und Depressionen, werden tiefenpsychologisch orientierte Methoden eingesetzt.
Bei der tiefenpsychologisch fundierten Gruppenpsychotherapie spricht der Therapeut mehr die Unterschiede als die Gemeinsamkeiten an. Er wirkt damit der natürlichen Regression in der Gruppe entgegen. Die Beziehungsformen der Gruppenmitglieder untereinander und zum Gruppentherapeuten stellen sich deshalb eher in differenzierten und komplexen psychosozialen Kompromißbildungen als in einfachen Grundeinstellungen dar. Dieses Verfahren eignet sich sowohl zur Bearbeitung von "Charakterneurosen" als auch zur Bearbeitung von "Symptomneurosen", wie Phobien, Zwangsneurosen und neurotischen Depressionen, wie sie im Rahmen einer Suchtklinik vorkommen.
Weil die Regression geringer ist, können sich die Patienten, z. B. bei Entlassung, aus der Gruppe leichter lösen. Durch die Rückmeldungen der Gruppenmitglieder werden Patienten, deren Kontakt zur Realität eingeschränkt ist, durch Hilfs-Ich-Funktionen unterstützt, die andere Gruppenmitglieder übernehmen. Der Therapeut beschränkt sich in der Regel auf Konfrontation, Klärung und Deutung. Das, was er anspricht, hängt davon ab, wie tief die Gruppe regrediert und welches Material er dann konfrontieren, klären und deuten kann. Kurz gefaßt geht es dabei um:
- Konfrontation und Deutung
- Arbeit im "Hier und Jetzt" und im "Dort und Damals"
- Prinzip "Deutung" und Prinzip "Anwort"
- Zulassen eingeschränkter Regression
- Bearbeitung von Triebkonflikten.
Die Gruppenpsychotherapie wird durch Einzelpsychotherapie begleitet. Diese dient der Vertiefung und Aufarbeitung der in der Gruppenpsychotherapie angeschnittenen Fragestellungen.
9.2.1.2 Psychoanalytisch-interaktionelle Therapie
Bei dieser Methode tritt der Therapeut als Realperson auf und ist entsprechend für die Patienten erfahrbar. Er hält sich mit Deutungen zurück und gibt stattdessen "Antworten" (HEIGL-EVERS u. NITZSCHKE 1998).
Der Gruppenpsychotherapeut legt bei diesem Verfahren Wert auf Transparenz. Er sagt z. B., wie er gefühlsmäßig auf einen Patienten reagiert. Dies geschieht natürlich selektiv. Solche Mitteilun-
gen haben nicht den Zweck, den Therapeuten emotional zu entlasten, sie sollen den Patienten eine Orientierung geben. Ich-strukturell gestörte Patienten haben in der Regel keine reifen inneren Objekte, da die Konstitution solcher Objekte davon abhängt, daß ein reifes Selbst existiert. Die Entwicklung des Selbst wurde aber bei diesen Patienten in der Kindheit durch Störungen in der Interaktion mit den Bezugspersonen behindert (zu wenig, zu viel, nicht den Bedürfnissen angepaßt, etc). Unter den traumatischen Einflüssen der Beziehungsstörungen entwickelte sich ein unreifes Selbst, das die Beziehungsperson in einer anderen, meist kind-näheren Weise erlebte als es dem Entwicklungsstand entsprach. Der Therapeut demonstriert mit seinen "Antworten" das Denken und Fühlen eines reiferen Objektes und wirkt der Tendenz des Patienten entgegen, die unreifen Objektbilder wahrnehmungssteuernd einzusetzen. So entstehen reifere innere Objekte, auf die ein Patient sich beziehen kann, wenn er Übertragungen entwickelt, die aus der frühen Kindheit stammen. Hat er keine reifen inneren Objekte, fehlen ihm Referenzmodelle für eine realistische Wahrnehmung (KÖNIG 1995).
Dies hat Konsequenzen für die Aktivitäten der Therapeuten im Rahmen der psychoanalytisch-interaktionellen Gruppenpsychotherapie. Kurzgefaßt können als besondere Merkmale genannt werden:
- Prinzip "Antwort" statt Prinzip "Deutung"
- Verbalisierung von Gefühlen und Affekten
- konsequentes Herausarbeiten sämtlicher negativer Übertragungsbestandteile
- Beachtung der Bedrohung der Behandlungskontinuität
- Berücksichtigung möglicher Fehlinformationen durch die Patienten
- Konfrontation mit und deutende Bearbeitung von pathologischen Abwehrformen
- klares Strukturieren des therapeutischen Settings
- aktive Förderung aller realen und nützlichen Objektbeziehungen
- Arbeit im "Hier und Jetzt" und nicht im "Dort und Damals"
- Neulernen anstelle von Umlernen
- Stärkung des Ich einschließlich Ich-Unterstützung
- Üben von Ich-Funktionen
- Regression des Therapeuten im Dienste des Patienten.
Die Patienten erleben aufgrund ihrer Pathologien die Therapeuten oft nicht als gleichberechtigte Gegenüber, sondern überwiegend als Selbst- oder Partialobjekte. Das läuft manchmal auf eine Funktionalisierung der Therapeuten hinaus bis hin zu ausbeuterischen Vorstellungen: "Du existierst, soweit Du mir nützt." Die Therapeuten müssen diese Partialobjektbeziehung ertragen und mit ihr arbeiten, ihr aber gleichwohl von ihrer Seite aus ein reales Beziehungsangebot entgegensetzen, um der Tendenz zur Regression entgegenzuwirken.
Die zuletzt genannten Überlegungen gelten insbesondere für Suchtkranke auf Borderline-Organisationsniveau. Die psychoanalytisch-interaktionelle Behandlung ist eine besonders geeignete Methode für den Personenkreis der früh gestörten einschließlich der Patienten auf Borderline-Organisationsniveau, d. h. die Methode ist auch geeignet für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen.
Diese Methode ist auch hilfreich für höherstrukturierte Patienten bzw. Patienten mit reiferer Persönlichkeitsorganisation, wenn auch hier andere psychotherapeutische Verfahren, wie tiefenpsychologisch orientierte Verfahren, angemessener sein können.
9.2.1.3 Gesprächspsychotherapie
Therapiemethoden bzw. therapeutische Techniken aus der Gesprächspsychotherapie haben sich in unserer Klinik als hilfreich für die Arbeit herausgestellt. Im einzelnen ist dabei die Umsetzung folgender Variablen im therapeutischen Prozeß wichtig (BIERMANN-RATJEN et al. 1992):
- Akzeptieren und Wertschätzen der Patienten
- empathisches Verstehen des inneren Bezugsrahmens der Patienten und fortwährende Mitteilung des Verstandenen (insbesondere Verbalisierung von emotionalen Erlebnisinhalten)
- Kongruenz/Echtheit im Verhalten der Psychotherapeuten gegenüber den Patienten
- Schaffung einer angstfreien, entspannenden und wohlwollenden Atmosphäre.
Durch Methoden der Gesprächspsychotherapie fassen die Patienten Mut, ihre Abwehr zu reduzieren, ihr Wahrnehmungsfeld neu zu erkunden, neue Erfahrungen zu machen und diese in ihr Selbstbild zu integrieren.
Ähnlich der psychoanalytisch-interaktionellen Methode ist es in der Gesprächspsychotherapie wichtig, das aktuelle Erleben der Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, d.h. es wird im "Hier und Jetzt" und nicht im "Dort und Damals" gearbeitet. Dabei werden wie in keiner anderen therapeutischen Schule die Emotionen der Patienten in den Vordergrund gerückt (MINSEL 1979). Als tragendes Element gilt dabei die Therapeut-Patient-Interaktion, wobei die Betonung auf Partnerschaft liegt. Entscheidend ist dabei, daß der Psychotherapeut gegenüber den Patienten eine Grundhaltung vermittelt, die gekennzeichnet ist durch verständnisvolle Begleitung, Ermutigung und Akzeptanz der Patienten mit ihren Schwierigkeiten, ohne sie der Verantwortung dafür zu entheben. Durch positive Wertschätzung und emotionale Wärme drückt der Psychotherapeut seine Achtung gegenüber den Patienten, allgemein seine Achtung vor menschlichem Leben aus. Das bedeutet jedoch nicht, daß der Therapeut die Ansichten der Patienten uneingeschränkt teilen muß. Auf diese Weise soll sich auf seiten der Patienten eine ähnlich achtende und akzeptierende Haltung gegenüber sich selbst und anderen entwickeln (TAUSCH 1994).
Wesentlich in der Gesprächspsychotherapie ist die Bereitschaft des Psychotherapeuten, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und in die therapeutische Situation einzubringen. Bei den Patienten soll diese "Kongruenz/Echtheit/Transparenz" des Psychotherapeuten Vertrauen schaffen. Entscheidend dabei ist, ob der Psychotherapeut in der Lage ist, das Gefühls- und Erlebnisspektrum der Patienten in ihrer Breite und Vielfalt wahrzunehmen und zu verstehen. Dies gelingt ihm um so besser, je sicherer er seinen eigenen Gefühlen ist (TAUSCH u. TAUSCH 1990).
Neben diesen Kern-Variablen der Gesprächpsychotherapie haben weitere Variable eine moderierende Wirkung:
- Konfrontation
- Tiefe der Interpretation
- Spezifität und Konkretheit
- sprachliche Aktivität des Therapeuten
- aktives Bemühen/innere Anteilnahme.
9.2.1.4 Systemische Angehörigenarbeit
Die systemische Familientherapie sieht die Suchterkrankung nicht als individuelles Problem, sondern als Symptom für eine Störung im Beziehungssystem (SELVINI PALAZZOLI et al. 1984). Dieser Ansatz erweitert den individuellen Therapieansatz, der den Schwerpunkt unserer therapeutischen Arbeit ausmacht. Wir integrieren Elemente der systemischen Familientherapie in unsere diagnostischen Überlegungen und in unsere Arbeit mit unseren Patienten und deren Angehörigen (KAUFMANN u. KAUFMANN 1986; WEISS 1988).
Diese Arbeit kann z. B. die "derzeitige Familie" der Patienten betreffen oder aber ihre Herkunftsfamilie. Die systemische Sicht erhöht die Aufmerksamkeit für interaktionelles Geschehen in Zusammenhang mit Konflikten, Koalitionen und Konklusionen in der jeweiligen "Familie".
Bei einigen unserer Patienten ist ein entwicklungsorientierter Ansatz geeigneter. Insbesondere bei neurotisch strukturierten Patienten kann dieser Ansatz primäre Prägungen aus der Herkunftsfamilie aufzeigen. Gelegentlich wird dieser Ansatz auch durch eine Mehrgenerationenperspektive ergänzt.
Ziel der systemischen Angehörigenarbeit ist es, daß die pathologisch-psychosoziale Abwehr und die pathologisch-psychosozialen Arrangements in Beziehungssystemen überwunden werden. Die Patienten sollen in die Lage versetzt werden, angemessene interpersonale Beziehungsformen zu entwickeln.
Die Angehörigen werden möglichst in den Behandlungsprozess einbezogen, z.B. durch
- Einbeziehung der Angehörigen in das Aufnahmegespräch
- regelmäßige Angehörigenarbeit in Seminarform am Wochenende
- Paargespräche
- Einzelgespräche mit Angehörigen (auch telefonisch)
- Nachbesprechung von Heimfahrten.
9.2.2 Indikative Gruppen
Die Indikativen Gruppen orientieren sich nicht am psychotherapeutischen Prozeß, sondern dienen der Vermittlung und Klärung spezifischer Themen, die für die jeweilige Therapiegruppe eine besondere Bedeutung haben. Dies könnten z. B. allgemeine Themen für alle Gruppen sein:
- Rückfallprophylaxe
- Umgang mit Rückfällen
- Suchtverlagerung
- Wohnen
- Freizeitverhalten
- zukünftige Lebensplanung (beruflich und privat)
- Haus- und Therapieordnung
- ambulante Rehabilitation und andere nachstationäre Angebote
- Alkohol und Straßenverkehr
- Alkohol und Lebensmittel
- Partnerschaft/Familie/Bezugspersonen.
Die Indikativen Gruppen werden von dem zuständigen Gruppentherapeuten oder Mitarbeitern anderer Bereiche geleitet.
Die indikationsbezogenen Curricula der Rentenversicherungsträger werden berücksichtigt.
9.2.3 Behandlung in Phasen
Die Therapeuten orientieren sich im Behandlungsverlauf grundsätzlich am Prinzip der "kleinen Schritte" und strukturieren das Setting sowohl in der Psychotherapie als auch in der Arbeitstherapie. Im Hinblick auf die Therapieziele werden mit den Patienten individuell überschaubare und erreichbare Ziele entwickelt und festgelegt. Auf diese Weise erlernen die Patienten die Bewältigung der für sie zunächst bedeutsamsten Störung und beginnen einen Zusammenhang zwischen Sucht und ihrer Persönlichkeit zu verstehen. Zudem wird u.a. die Antizipationsfähigkeit und die Frustrationsfähigkeit trainiert. Diese Modell schützt und frustriert die Patienten zur gleichen Zeit.
Der Behandlungsverlauf ist in drei Phasen unterteilt und bildet die jeweiligen Behandlungssituation des Patienten ab, d.h. es kann auch zu Rückstufungen kommen. Die Patienten verbleiben bei Rückstufungen in ihrer Psychotherapiegruppe.
Diese Phaseneinteilung findet in der Arbeitstherapie ebenfalls Anwendung.
Phase I
Diese Phase soll den Patienten nicht nur das Einleben erleichtern, sondern soll vor allem die Behandlungsmotivation stabilisieren.
In dieser Phase geht es um die allgemeinmedizinische, psychiatrische, psychologische und soziale Diagnostik. Es finden allgemeinmedizinische, internistische und neurologisch-psychiatrische sowie Laboruntersuchungen statt. Es wird ein entsprechender Behandlungsplan aufgestellt.
Zusätzlich erfolgt eine psychodiagnostische Untersuchung mit den Schwerpunkten bildungsunabhängige Leistungsfähigkeit und Persönlichkeitsdiagnostik. Die Patienten beginnen, sich in dieser Phase mit der biographischen Anamnese auseinanderzusetzen.
Erste Gesichtspunkte der Psychodynamischen Diagnostik werden unter tiefenpsychologischen Aspekten erarbeitet. Aus diesen Überlegungen entwickeln sich erste fachliche Therapieziele. Der Patient entwirft ebenfalls seine individuellen Behandlungsziele.
Die Psychotherapie ist in der Anfangsphase gekennzeichnet von einer eher aktiven Haltung des Gruppenpsychotherapeuten, der das Gruppengeschehen strukturiert und häufig Themen vorgibt.
In den Indikativen Gruppen werden Informationen und Hinweise zu gesundheitsförderndem Verhalten, sinnvoller Körperpflege, hauswirtschaftlichen Gesichtspunkten sowie eine Einführung in unser ergotherapeutisches Programm gegeben. Darüber hinaus werden das Therapieprogramm und die Haus- und Therapieordnung ausführlich erläutert und diskutiert.
In der Ergotherapie und im Sportbereich werden zunächst einfache, weniger belastende Tätigkeiten ausgeführt. Bestimmte physiotherapeutische Maßnahmen kommen zur Anwendung. Auf Anordnung des Arztes können Patienten von bestimmten Aktivitäten befreit werden.
Es gilt vor allem, die Patienten in dieser Phase behutsam, aber konsequent aus ihrer passiven Versorgungshaltung herauszuführen und sie zu einer aktiven Auseinandersetzung mit ihrer Problematik und deren Entstehung zu bewegen. Aufgrund des schützenden Gruppenklimas wird es den Patienten möglich, sich auf ihre Situation in der Klinik einzustellen, ein Gefühl der Sicherheit zu entwickeln und an der Gruppe aktiv teilzunehmen. Sie werden ausreichend motiviert, aktiv das Behandlungsangebot der Klinik zu nutzen.
Ziel ist, daß am Ende der Phase I alle Patienten über eine gewisse Wahrnehmungs- und Differenzierungsfähigkeit bezüglich der eigenen Person verfügen.
Nach erfolgtem Abschluß der Phase I wechseln die Patienten in die Phase II.
Phase II
Der psychodynamische Befund wird in dieser Phase vervollständigt und bildet die Grundlage für die weitere psychotherapeutische Arbeit. Gemeinsam mit den Patienten wird auf dieser Basis über die jeweils vom Patienten und vom Therapeuten erarbeiteten Therapieziele verhandelt. Das Ergebnis ist die „Therapiezielvereinbarung“ (drei Ziele). Dies bestimmt in der nun folgenden Zeit die Themenschwerpunkte.
Eines der drei vereinbarten Ziele kommt aus der Sphäre der Arbeitswelt.
Die Therapiezielvereinbarungen und die Interaktionen in der Gruppe stehen im Mittelpunkt der psychotherapeutischen Arbeit der Gruppe. Es werden die vom Patienten gelebten Beziehungen, insbesondere aber die in der Klinik, die in der Gruppe und die zum Therapeuten, untersucht.
Die psychotherapeutische Arbeit greift das aktuelle Verhalten auf, der Therapeut stellt die Bezüge zur Biographie her. Die Patienten werden ermutigt, sich intensiv mit ihrer Therapiezielvereinbarung auseinanderzusetzen.
Die Patienten lernen, Beziehungsmuster zu analysieren und zu verbalisieren. Im Verlauf des therapeutischen Prozesses beginnen sie zu erkennen, daß sich in bestimmten aktuellen Konflikten mit Mitpatienten oder Therapeuten etc. Probleme mit früheren (Bezugs-) Personen wiederholen.
Die therapeutischen Bemühungen richten sich jetzt vor allem darauf, die Patienten im Hinblick auf die Wahrnehmung ihres psychischen Befindens zu fördern und damit einhergehend ihre Fähigkeiten zur Affektverbalisierung zu verbessern. Der Neigung zum Ausagieren destruktiver Beziehungsmuster wird auf diese Weise entgegengewirkt. Den Patienten wird es zunehmend möglich, einheitlichere Objektrepräsentanzen zu bilden, wobei es klar ist, daß eine entsprechende Entwicklung bei strukturell gestörten Patienten lediglich gefördert und nur selten zum Abschuß gebracht werden kann.
Die Phase II beinhaltet insbesondere die Bearbeitung von Übertragung und Gegenübertragung. Durch die aktive Auseinandersetzung mit den in der Klinik erlebten Beziehungen und mit ihrem jeweiligen Verhalten lernen die Patienten sich selbst und andere besser kennen. Ihre defizitären Ich-Funktionen werden nachentwickelt und neues Verhalten wird erprobt. Außerdem können Übertragungsfiguren bearbeitet werden.
Die Patienten erweitern ihre Kompetenzen, übernehmen Verantwortung, gewinnen Vertrauen in die eigene Kraft und gelangen zu einer wirklichkeitsnahen Selbsteinschätzung.
Anläßlich der regelmäßig stattfindenden Angehörigenseminare haben die Patienten die Möglichkeit, wichtige Beziehungspersonen (Ursprungsfamilie, aktuelle Partner etc.) in die Behandlung mit einzubeziehen. Darüber hinaus werden Partnergespräche/Familiengespräche angeboten. Die Patienten bekommen Unterstützung, mit wichtigen Beziehungspersonen wieder ins Gespräch zu kommen und die Beziehung zu klären.
Der Wechsel in die nächste Phase ist abhängig von einer Mindestzeit, der konstruktiven Mitarbeit und den Fortschritten in der Therapie. Die Patienten sollten ein gewisses Maß an Eigeninitiative entwickelt und eine hinreichend realistische Selbsteinschätzung gewonnen haben.
Die Teilnahme an den Veranstaltungen der Selbsthilfegruppen in der Klinik ist Pflicht. Dies soll die Patienten motivieren, nach Entlassung aus der stationären Behandlung aktiv in Selbsthilfegruppen mitzuarbeiten.
Phase III
Die Patienten erhalten erweiterte Rechte und Pflichten.
Insgesamt sind die Patienten in dieser Phase aufgefordert, Entwicklungsschritte selbständiger als bisher zu initiieren, der Therapeut „antwortet“ auf das Vorgehen der Patienten.
Der Schwerpunkt der psychotherapeutischen Arbeit liegt in der Förderung von Selbständigkeit und Eigeninitiative. Insbesondere werden jetzt die antizipierenden Fähigkeiten der Patienten entwickelt. Es wird besonders darauf geachtet, daß die Affekt- und Impulskontrolle sowie die Frustrationstoleranz zunehmen und somit die Konfliktfähigkeit sich verbessert. Wie schon erwähnt, kann der Prozeß der Bildung stabiler und vollständiger Objekt- und Selbstrepräsentanzen oft nicht abgeschlossen werden, aber bereits die Sicherung von Teilobjekten ermöglicht ein langfristig suchtmittel-unabhängiges Leben.
Die Patienten sind jetzt angehalten, Verantwortung auch außerhalb der Psychotherapiegruppe zu übernehmen, z.B. Anleitungs- und Vorbildfunktion unter Aufsicht der Therapeuten in der Arbeitstherapie.
Es steht jetzt die Ablösung von der Klinik und die Vorbereitung auf das Leben nach der Entwöhnungsbehandlung im Vordergrund. In diesem Rahmen werden Heimfahrten, Kontakte zum sozialen Umfeld und, wenn möglich, zu örtlichen Selbsthilfegruppen vorbereitet. Es wird eine evtl. notwendige Arbeits- und Wohnungssuche unterstützt sowie die ambulante Weiterversorgung geplant. Es hat sich gezeigt, daß in der Regel das Leben nach der Entlassung sehr wirklichkeitsnah vorbereitet werden muß.
In einigen Fällen ist eine Weiterbetreuung der Patienten in einer Adaptions- oder Übergangseinrichtung erforderlich. In solchen Fällen wird Kontakt mit der entsprechenden Einrichtung hergestellt und ein Besuch ermöglicht. Es gelten auch hier die Richtlinien der Leistungsträger bezüglich Heimfahrten.
9.3 Arbeitsplatzbezogene medizinische Rehabilitation
Das Ziel der arbeitsplatzbezogenen medizinischen Rehabilitation ist die Erhaltung des Arbeitsplatzes bzw. die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Die Prognose bezüglich Alkoholabstinenz wird durch einen Arbeitsplatz wesentlich verbessert.
Ein großer Teil unserer Patienten ist arbeitslos.Von daher ist der Erhalt des Arbeitsplatzes bzw. die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt von besonders hoher Bedeutung.
Die Patienten werden deshalb in folgenden Bereichen unterstützt:
(a) Bearbeitung eines Fragenkataloges zum Berufsleben (Berufliche Anamnese)
Die Bearbeitung des Fragenkataloges zum Berufsleben erfolgt in der Aufnahmephase und wird ressourcenorientiert durchgeführt. Es wird eine ausführliche Berufsanamnese erstellt, in der die Stärken des Patienten herausgearbeitet werden. Der Patient soll sich in diesem Rahmen über seinen Stand im Arbeitsleben klar werden. Beobachtungen aus der Arbeitstherapie fließen ein.
(b) Erarbeitung einer Therapiezielvereinbarung
Nach Bewertung der schulischen Laufbahn, der Berufsausbildung sowie des Arbeitslebens und der beruflichen Laufbahn benennen sowohl der Patient als auch der Arbeitstherapeut ein Therapieziel für die Arbeitstherapie. Diese Vorschläge werden zusammen durchgearbeitet. Auf dieser Grundlage wird ein gemeinsames Ziel vereinbart.
(c) Die Rückkehr auf den Arbeitsmarkt – ein Training
Die arbeitstherapeutische Therapiezielvereinbarung wird in dieser Veranstaltung fortgeschrieben. Rückmeldungen und Erfahrungen sollen den Patienten bestärken, sich aktiv auf eine Rückkehr ins Arbeitsleben vorzubereiten.
Hierfür notwendige Veränderungen bzw. Maßnahmen werden formuliert (Bewerbungstraining, Besuch beim Arbeitgeber, Besuch beim Arbeitsamt, Festigung der Arbeitstugenden, Teilnahme an der Belastungserprobung etc.). Diese Veränderungen/Erfolge des Patienten werden im therapeutischen Prozeß festgehalten.
Die klinikeigenen Bemühungen werden extern unterstützt (Arbeitsamt, Leistungsträger, freie Bildungsträger etc.).
Die Patienten werden dabei unterstützt, Fragen im Zusammenhang mit Arbeitsplatzsuche, Umschulung, Weiterbildung, innerbetrieblicher Veränderung, Finanzierung etc. zu klären.
Während des stationären Aufenthaltes erstellt jeder Patient einen vorlagefähigen Lebenslauf für eine Bewerbung um einen Arbeitsplatz. Die Patienten werden befähigt, das Internet zur Arbeitsplatzsuche zu nutzen (im Arbeitsamt, Internet-Café etc.).
9.4 Ergotherapie
Die Ergotherapie (Arbeits- und Beschäftigungstherapie) gilt als bewährtes Verfahren in der Behandlung von Suchtkranken. Sie versteht sich ganzheitlich und hat einen positiven Einfluß auf die psychische, physische und soziale Rehabilitation der Patienten.
Die Therapieziele, die Inhalte als auch das methodische Vorgehen in der Ergotherapie orientieren sich an den individuellen Voraussetzungen der Patienten. Dies bedeutet für die Ergotherapie:
- Berücksichtigung der Inhalte und der therapeutischen Prozesse der Psychotherapie
- Aktivierung kreativer Kräfte
- Förderung der Belastbarkeit, der Arbeitstugenden und der beruflichen Kompetenzen
- Berücksichtigung der Bedürfnisse, Interessen und Fähigkeiten der Patienten sowie ihres
beruflichen Hintergrundes und ihrer Ausbildung
- Berücksichtigung ihres Leistungsvermögens
- lustbetonte Betätigung ohne Suchtmittelkonsum.
Die Inhalte der Ergotherapie berücksichtigen die individuellen Voraussetzungen der Patienten und sind geeignet, psychotherapeutische Zielsetzungen aufzugreifen und umzusetzen. Es ist möglich, auf diese Weise konkret-praktisch in der Ergotherapie die Ziele umzusetzen.
Neben den therapeutischen Notwendigkeiten sind die Fähigkeiten, Bedürfnisse und Interessen sowie der reale Bezug zum Lebenshintergrund der Patienten wichtig.
In der Ergotherapie gibt es ebenso wie in der Psychotherapie ein Phasenmodell:
Phase I- alle neuen Patienten werden, wenn möglich, einem Patienten aus der Phase III zugeteilt und haben damit ständig einen Ansprechpartner.
Phase II - detaillierte Aufträge mit ständig steigendem Schwierigkeitsgrad sind zu bewältigen, wobei fachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten berücksichtigt werden. Üblicherweise findet in dieser Zeit die Belastungserprobung statt.
Phase III: Die Patienten erledigen Aufträge weitgehend selbständig und bekommen in bestimmten Bereichen Verantwortung übertragen, z. B. Unterstützung neuer Patienten, Materialaufsicht, Werkstattreinigung.
Das methodische Vorgehen in der Ergotherapie hängt im wesentlichen von den individuellen Störungen der Patienten ab. Das Störungsbild beeinflußt die Fähigkeiten der Patienten. Es ist notwendig, die Patienten dort zu fördern, wo dies möglich und nötig ist. Wir führen die Ergotherapie deshalb in verschiedenen Formen durch:
(a) Projekte
(b) Belastungserprobung
(c) Arbeitseinheiten
(d) Arbeitseinheiten nach dem "Prinzip der kleinen Schritte".
a) Projekte
Es handelt sich hierbei um handwerkliche Projekte, die meist in einer Gruppe in einer definierten Zeit zu einem positiven Ende geführt werden. Es geht dabei z. B. um Projekte wie den Bau eines Handkarrens oder eines Fliegengitters, die Restauration einer Maschine, die Gestaltung eines Gartenteils oder Schleif- und Restaurationsarbeiten an Fenstern und Türen. Im Rahmen der Projektarbeit sind Teamarbeit, Eigenständigkeit, Verantwortlichkeit, Durchhaltefähigkeit, Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit und letztlich hinreichende Objektbeziehungsfähigkeit erforderlich. Auch Patienten, die ausschließlich zu klar strukturierten und überschaubaren Arbeiten in der Lage sind, können unter Anleitung gut in diese Projekte eingebunden werden. Es wird dabei u.a. der saubere, effektive, sparsame und materialschonende Umgang mit Maschinen und Geräten geübt.
(b) Belastungserprobung
Viele Patienten sind den Anforderungen des heutigen Arbeitsmarktes nicht mehr gewachsen. Oft sind sie jahrelang arbeitslos und/oder haben aufgrund ihrer Suchterkrankung den Anforderungen am Arbeitsplatz nicht mehr genügt. Um diesen Patienten eine realistische Auseinandersetzung mit den heutigen Anforderungen am Arbeitsplatz zu ermöglichen, durchläuft jeder Patient eine mehrwöchige Belastungserprobung.
Die Belastungserprobung findet in der Regel in der zweiten Hälfte der sogenannten Phase II (meist 6. bis 9. Behandlungswoche) statt. Die Belastungserprobung legt eine 38,5 Stunden Arbeitswoche zugrunde und wird in den Bereichen der Küche oder der Gärtnerei/Landwirtschaft durchgeführt. Daneben nehmen die Patienten aber weiterhin an den meisten therapeutischen Veranstaltungen teil, so daß sich mehr als 38,5 Wochenstunden ergeben. Während dieser Zeit wird es auch zu Arbeit am Wochenende kommen. Es wird in der Küche eine 7-Tage-Woche, im Bereich der Gärtnerei/Landwirtschaft eine 6-Tage-Woche zugrunde gelegt. Dies ist durchaus beabsichtigt, um eine Belastungssituation zu simulieren, wie sie in der „freien Wirtschaft“ üblich ist.
In der Küche handelt es sich im wesentlichen um Tätigkeiten auf Helferniveau. Zu bestimmten Tageszeiten ist die Arbeit in der Küche besonders verdichtet. Hinzu kommt Arbeit zu sonst unüblichen Zeiten (abends, am Wochenende).
In der Gärtnerei/Landwirtschaft handelt es sich um Tätigkeiten auf Helfer- und Facharbeiterniveau. Während der Vegetationsperiode handelt es sich um Tätigkeiten in der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Produktion, außerhalb der Vegetationsperiode meist um Arbeiten im Forst- und Baumschulbereich, Maschinenwartungen und Restaurationsarbeiten sowie um Arbeiten der Landschaftsgestaltung. Ziel ist es, die Patienten in einen Stand zu versetzen, den Anforderungen des Ersten Arbeitsmarktes zu genügen. Es geht um:
- die Erhöhung der physischen und psychischen Belastbarkeit
- das Training von Ausdauer und Durchhaltevermögen
- die Erhöhung der Streß- und Frustrationstoleranz
- die Stärkung der Eigenverantwortlichkeit etc.
Nach Beendigung der Belastungserprobung wird dem Patienten auf Wunsch ein „Qualifiziertes Zeugnis“ ausgehändigt.
Entsprechend dem Leistungsvermögen des Patienten werden in qualitativer und quantitativer Hinsicht Anpassungen des Anforderungsprofils vorgenommen bis hin zu einem Niveau, wie es in Werkstätten für Behinderte üblich ist.
c) Arbeitseinheiten
Es handelt sich hier um Aufgaben geringer Komplexität, sie sind zeitlich begrenzt. Während bei Projekten gute Vorbereitung und Absprachen in der Regel ausreichend sind, ist bei dieser Form der Ergotherapie die ständige Begleitung und Kontrolle durch den Therapeuten nötig. Im Unterschied zur Projektarbeit werden hier Teilaufgaben bearbeitet (teilweise Bearbeitung eines Möbelstücks, teilweise Bearbeitung eines Metallgegenstandes). Auf diese Weise erzielen die Patienten relativ rasch Erfolge.
d) Arbeitseinheiten nach dem "Prinzip der kleinen Schritte"
Bei Patienten mit geringen Fähigkeiten, insbesondere Patienten mit geringer Antizipationsfähigkeit, geringer Konzentrationsfähigkeit, geringem Durchhaltevermögen, Patienten mit Merkfähigkeitsschwäche und wenig Belastbarkeit, ist die Durchführung von Ergotherapie nach dem "Prinzip der kleinen Schritte" angezeigt. Hier handelt es sich um klar überschaubare und einfache Abläufe. Die Patienten bedürfen der ständigen Anleitung, Kontrolle und Motivation. Die Arbeitsaufträge werden in ihrem zeitlichen und inhaltlichen Umfang so dimensioniert, daß sie die Patienten nicht überfordern.
Für alle Arbeitsformen gilt, daß zunächst auf Pünktlichkeit, kontinuierliche Arbeit und Motivation geachtet wird. Im weiteren Verlauf der Behandlung gewinnen Arbeitsinhalte und Abläufe an Bedeutung. Es handelt sich um einfache Tätigkeiten mit Zuarbeitungscharakter (z. B. Säubern eines Werkzeuges, Wachsen eines Brettes, Fegen eines Weges).
Oft haben die Patienten aufgrund ihrer Erfahrungen aus dem Arbeitsleben in der Ergotherapie einen guten Start, was ihr Einleben in die Therapie erleichtert und ihre Selbstsicherheit stärkt. Dies kann sich wiederum günstig auf die Mitarbeit in der Psychotherapie auswirken.
Ausführungen zur Umsetzung der ergotherapeutischen Konzeption werden in einem besonderen Konzept zur arbeitsplatzbezogenen medizinischen Rehabilitation gemacht.
Die Klinik verfügt über folgende Ergotherapiebereiche:
- Gärtnerei/Landwirtschaft (Landwirtschaft nur Standort Dötlingen-Neerstedt)
- Holz/Metall/Haustechnik (nur Standort Dötlingen-Neerstedt)
- Hauswirtschaft/Cafeteria/Lehrküche (Cafeteria/Lehrküche nur Standort Dötlingen-Neerstedt)
- Kunst- und Gestaltungstherapie (nur Standort Oldenburg)
- Beschäftigungstherapie
- PC-Labor.
9.4.1 Gärtnerei/Landwirtschaft
Standort Dötlingen-Neerstedt
Dieser Bereich umfaßt ca. 26 ha: 14 ha werden forstwirtschaftlich und 8 ha werden land- und gartenbaulich genutzt. Die land- und gartenbaulich genutzten Flächen werden seit 1991 nach Bioland-Richtlinien bewirtschaftet. Die Klinikgebäude sind in einem ca. 4 ha großen bewaldeten Park gelegen, wobei Teich- und Hügellandschaften, Moos- und Steinformationen sich abwechseln. Einzigartige Orte der Ruhe und Betrachtung befinden sich in der Entstehung.
Standort Oldenburg
Pflege der Gartenanlagen.
9.4.2 Holz/Metall/Haustechnik
Hierzu gehören u. a.:
- Haustechnik (Wartung und Reparatur)
- Möbelbau
- Instandsetzung landwirtschaftlicher Geräte
- Schlosserarbeiten
- Fahrradwerkstatt
- Betonarbeiten (z.B. Brückenbau etc.).
Daneben wird die Arbeitstherapie in diesem Bereich für bestimmte Patienten in Form von Projekten durchgeführt.
9.4.3 Hauswirtschaft/Cafeteria/Lehrküche
Standort Dötlingen-Neerstedt
Die Hauswirtschaft umfaßt die Bereiche Küche und Wäscherei.
Die Arbeitstherapie in der Küche wird projekthaft und nach einem speziellen Arbeitskonzept durchgeführt. Es handelt sich z.T. um komplexe Arbeitsfelder, die sowohl räumlich wie zeitlich erfaßt und in oft komplizierter Weise abgearbeitet werden müssen (Reinigungsarbeiten, Spülen, Gemüse putzen, Vorbereitung der Essensausgabe etc.).
Ein Patient übernimmt die Verantwortung und Organisation der Wäscherei in Absprache mit dem Arbeitstherapeuten. Patienten legen und sortieren die Wäsche nach Vorgabe, halten den Arbeitsbereich sauber, bedienen die Maschinen und waschen unter Vorgabe die Hauswäsche.
Im Bereich der Cafeteria soll die Funktion als Dienstleister geübt werden. Eine freundliche Cafehaus-Atmosphäre soll trotz ungünstiger Arbeitszeiten geschaffen werden. Die Wünsche anderer Menschen sind aufzunehmen und umzusetzen. Nötig ist ein freundlicher und verbindlicher Umgang mit den Besuchern.
In der Lehrküche wird in vier Unterrichtseinheiten `a drei Stunden ein vollständiges Menü unter Berücksichtigung verschiedener benötigter Kostformen hergestellt. Dabei werden folgende Inhalte vermittelt:
- Umgang mit und Verarbeitung von Lebensmitteln
- Handhabung der Arbeitsmappe
- Einrichtung einer Küche
- Hygiene in einer Küche.
Die Teilnahme an der Lehrküche ist freiwillig.
Standort Oldenburg
Die Tätigkeiten in der Hauswirtschaft beinhalten Reinigungsarbeiten im Haus (Gemeinschaftsräume, Flure).
9.4.4 Kunst- und Gestaltungstherapie
Kunst-und Gestaltungstherapie wird als spezielle therapeutische Methode angeboten.
Die Kunst- und Gestaltungstherapie wird in Form von Workshops unter der Leitung eines Kunst- und Gestaltungstherapeuten angeboten und durchgeführt. Unter "Workshops" werden mehrstündige Veranstaltungen verstanden, bei denen die Patienten eine Aufgabe abschließend bearbeiten.
Die kunst- und gestaltungsorientierten Methoden wollen einer Überbetonung des Rationalen entgegenarbeiten. Man sucht durch eine "Re-Symbolisierung" die "innere Verarmung" wieder aufzufüllen und positive Kräfte zu aktivieren. Über diesen Weg soll sich der Mensch seiner Ganzheit wieder bewußt werden.
Die Stärke dieser Methode ist es, daß sie Rationalisierungsebenen umgehen kann. Dies bedeutet spielerisches Gestalten. Man mutet dem Erwachsenen etwas zu, gegen das sich seine Vernunft wehrt. Es können also gewachsene Ich-Barrieren (Widerstände), die gegen Konflikte errichtet wurden und als solche auch wichtige Funktionen erfüllen, unterlaufen werden.
AAuf diese Weise ergibt sich ein Weg, unbewußte Inhalte bewußtseinsfähig und damit bearbeitbar zu machen. Es geht nicht nur um die Bearbeitung alter Erfahrungen sondern auch um das Bewußtmachen von Inhalten, die noch nie im Bewußtsein waren. Das gestalterische Ausdrucksmedium ist ein leistungsfähiger Zugang zum narzißtischen System und besonders zur Erfassung dessen frühester Entwicklungsebenen und damit für die Suchtkrankenbehandlung geeignet (JACOBI 1989).
Im Work-Shop zeichnen, malen und modellieren die Teilnehmer auf der Grundlage vorgegebener Inhalte. Der Gestaltungs- und Kunsttherapeut strukturiert die Works-Shops, wobei er die Störungsbilder der Patienten, aber auch die Neigungen und Fähigkeiten der Patienten bei der Wahl der Themen und der Materialien berücksichtigt. Auf diese Weise entwickelt sich die eigene schöpferische Fähigkeit, das Interesse am nichtsprachlichen Ausdruck und ein Zugang zur eigenen unbewußten Binnenwelt.
Kunst- und gestaltungstherapeutische Inhalte werden aber auch in die psychotherapeutische Arbeit integriert und dort wenn nötig weiter bearbeitet. Die Therapeuten sind oder werden entsprechend fortgebildet. Auf diese Weise ist die Kunst- und Gestaltungstherapie mit der Psychotherapie eng verbunden.
9.4.5 Beschäftigungstherapie
Die Patienten machen sich mit Hilfe eines gezielten Programms aktiv mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten vertraut. Sie entdecken Möglichkeiten, sich gestalterisch zu betätigen.
In der Beschäftigungstherapie wird in Gruppen gearbeitet. Über die Vermittlung von Techniken und das Vertrautmachen mit unterschiedlichen Materialien lernen die Patienten ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auf gestalterischem Gebiet kennen. Sie entwickeln sie weiter und entdecken neue Möglichkeiten, sich kreativ zu betätigen. In der Auseinandersetzung mit Materialien entwickeln die Patienten u. a. eine angemessene Selbsteinschätzung und Frustrationstoleranz.
In der Beschäftigungstherapie kann die Fähigkeit, sich einer Tätigkeit hinzugeben und sich dadurch auszudrücken, entwickelt werden. Bestimmte Grundfertigkeiten im Zusammenhang mit Malen, Töpfern, Bildhauern usw. werden vermittelt und entsprechend den vorgegebenen Aufgaben von den Patienten durchgeführt. In den Phasen II und III werden unter Beteiligung aller Patienten der Gruppe auch Gruppenarbeiten angefertigt.
Ziel der Beschäftigungstherapie ist es, die kreativen Kräfte der Patienten zu aktivieren und gezielt zu fördern. Daneben sollen sie zur Hobbyfindung angeregt werden und sich lustbetont ohne Suchtmittelkonsum betätigen.
9.4.6 PC-Labor
Es ist ein PC-Labor mit mehreren Arbeitsplätzen vorhanden (incl. Internetzugang). Es werden zwei Kurse für Patienten angeboten: ein Grundkurs (allgemeine Einführung in die EDV und in das Betriebssystem) sowie ein Aufbaukurs (Textverarbeitungssysteme und Einführung in den Umgang mit dem Internet).
Im Rahmen der indikativen Arbeit „Berufliche Fragen“ sollen die Patienten selbständig über das SIS-Programm des Arbeitsamtes nach Stellen suchen. Des weiteren soll das PC-Labor für das Erstellen von Bewerbungsschreiben sowie Lebensläufen genutzt werden.
In der Freizeit steht das PC-Labor den Patienten ebenfalls zur Verfügung.
9.5 Freizeitgestaltung
Bei Suchtkranken liegen besondere Defizite der Freizeitgestaltung vor. Deshalb soll eine sinnvolle Gestaltung der Freizeit gefördert werden. Jeder Patient plant seine Vorhaben selbständig und führt sie eigenverantwortlich durch. Folgende Angebote bestehen derzeit:
- Nutzung der beschäftigungs- und arbeitstherapeutischen Räume
- Sportangebote (Tischtennis, Billard, Fußballkicker u.a.)
- Gesellschaftsspiele
- Fahrradfahren
- Grillabende (im Sommer)
- Wanderungen und Radtouren in die nähere Umgebung
- PC-Zugang (mit Internet).
Daneben bestehen folgende Serviceangebote der Klinik:
- Bücherei
- Cafeteria
- Sauna
- Kiosk (nur Standort Dötlingen-Neerstedt)
- Radio- und Fernsehraum.
Die Patienten werden motiviert, auch nach ihrer Behandlung die freie Zeit aktiv zu strukturieren.
9.6 Patientenvertretung
Es besteht an der Fachklinik Oldenburger Land jeweils für jeden Standort eine Patientenvertretung. Sie wird auf der Grundlage einer Satzung gewählt (s. Anlage K). Es werden Gruppen- und Patientensprecher gewählt. Diese vertreten die Interessen der Patienten gegenüber der Fachklinik.
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