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Konzeption

Anlage E -Teilstationäre Behandlung (Tagesklinik)

1. Zielgruppe
2. Behandlungsziele
3. Therapeutische Methoden
4. Behandlungsverlauf
5. Behandlungsdauer
6. Personelle Besetzung
7. Stundenverteilung pro Woche

1. Zielgruppe
Das tagesklinische Angebot ist als Erstmaßnahme und auch als Folgemaßnahme im Übergang von stationär zu teilstationär oder von ambulant zu teilstationär vorgesehen.

Aufgrund ausgeprägter Störungen der tagesklinischen Patienten im seelischen, körperlichen und sozialen Bereich erscheint eine ambulante Behandlung nicht erfolgversprechend, aber eine stationäre Behandlung ist nicht oder nicht mehr begründet.

Es handelt sich um Patienten ohne schwere körperliche Begleiterkrankungen (leichte bis mittelschwere körperliche Erkrankungen können mitbehandelt werden) bei meist kürzerer Abhängigkeitsdauer. Die Patienten verfügen über eine ausreichende Behandlungsmotivation, sie sind aber nicht in der Lage, Behandlungsverträge im Rahmen einer ambulanten Behandlung einzuhalten. Ihre Abstinenzfähigkeit ist beeinträchtigt, deshalb kommen sie für eine ambulante Behandlung nicht in Frage.

Sie verfügen über die Fähigkeit, am Arbeitsmarkt zu bestehen und wollen am Alltag orientiert lebensnahe Probleme besser bewältigen lernen. Die Patienten erhoffen sich zudem, daß das therapeutische Team der Fachklinik einen positiven Einfluß auf ihr soziales Umfeld nimmt (Arbeitgeber, nahe Bezugspersonen, Behörden etc.).

Die Behandlung ist besonders geeignet für Frauen oder Männer mit Kindern, die (zumindest teilweise) in der Lage sind, ihre Kinder zu betreuen, aber auch für alle jene Patienten, die Familie haben und familiäre Themen in den Therapiestunden behandelt sehen wollen.

Diese Patienten benötigen die tagesklinische Behandlung, weil sie den Anforderungen einer ambulanten Entwöhnungsbehandlung zur Zeit noch nicht genügen. Ihnen fehlt auch die Fähigkeit zur aktiven und regelmäßigen Mitarbeit und zur Einhaltung eines Therapieplanes im ambulanten Rahmen, oder sie sind nicht in der Lage, den Tag angemessen zu strukturieren.

Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitsunfähigkeit sind kein Hinderungsgrund für eine teilstationäre Behandlung. Die sich abzeichnende Notwendigkeit zur Reintegration in das Erwerbsleben wird durch eine wohnortnahe Rehabilitationsmaßnahme unterstützt.

Die tagesklinische Behandlung  ist möglich bei Patienten, deren Anreise jeweils 45 Minuten nicht übersteigt. Eine Anreise mit Pkw ist möglich.

Es ist zu erkennen, daß die Fähigkeit

  • zur aktiven Mitarbeit
  • zur regelmäßigen Teilnahme und
  • zur Einhaltung des Therapieplanes in Bezug auf die Anforderung einer teilstationären Behandlung vorhanden ist.

Der Patient ist motiviert und in der Lage, während der teilstationären Entwöhnung abstinent zu leben und suchtmittelfrei am Therapieprogramm teilzunehmen.

Indikation für eine tagesklinische Behandlung

  • ausreichende Behandlungsmotivation
  • Fähigkeit zur aktiven Mitarbeit und regelmäßigen Teilnahme
  • Einhaltung des Therapieplanes in Bezug auf die Anforderung einer teilstationären Entwöhnungsbehandlung
  • Fähigkeit zur Abstinenz im Rahmen einer teilstationären Entwöhnung
  • Anreise bis zu 45 Minuten (öffentliche Verkehrsmittel oder mit PKW)
  • keine schweren körperlichen Begleiterkrankungen
  • Fähigkeit, den Alltag angemessen zu strukturieren
  • Unfähigkeit, in einem ambulanten Rahmen aktiv und regelmäßig mitzuarbeiten
  • Unfähigkeit, in einem ambulanten Rahmen abstinent zu bleiben
  • aufgrund ausgeprägter Störungen der Patienten im seelischen, körperlichen und sozialen Bereich sind ambulante therapeutische Maßnahmen nicht ausreichend bzw. methodisch nicht vielfältig genug
  • intaktes soziales Umfeld
  • kürzere Abhängigkeitsdauer.

Kontraindikation für eine tagesklinische Behandlung

  • Abstinenzfähigkeit im Rahmen einer teilstationären Entwöhnung ist nicht gegeben
  • Patient genügt den Anforderungen einer teilstationären Entwöhnungsbehandlung und dem Einhalten des Therapieplanes nicht
  • Einhaltung eines Therapieplanes im ambulanten Rahmen ist möglich
  • es handelt sich um einen besonders schwer gestörten Patienten
  • das therapeutische Setting muß 24 Stunden konsequent für den Patienten strukturiert werden
  • Patient ist nicht sozial integriert
  • Patient hat eine Anreise von mehr als 45 Minuten (öffentliche Verkehrsmittel oder PKW)
  • Abstinenzfähigkeit im ambulanten Rahmen wäre gegeben
  • es handelt sich um leichte Störungsbilder, die im therapeutischen Setting eines ambulanten Rahmens behandelt werden können
  • neben den psychotherapeutischen Maßnahmen sind weitere Maßnahmen nicht erforderlich, d.h. eine ambulante Psychoherapie reicht aus
  • eine Unterbrechung der Berufstätigkeit ist nicht sinnvoll oder nicht möglich.

2. Behandlungsziele
Folgende Behandlungsziele werden eklektisch zusammengestellt, um die für die tagesklinische Behandlung wichtigsten Gesichtspunkte hervorzuheben:

  • Wiederherstellung/Stabilisierung des Leistungsvermögens
  • Hilfestellungen zur Integration in der Arbeitswelt
  • Verbesserung der Kompetenz, Konflikte zu erkennen und zu lösen
  • realistische Selbsteinschätzung
  • erkennen und ausdrücken eigener Wünsche und Gefühle
  • Kritik akzeptieren und eigenes Verhalten konstruktiv ändern
  • Verantwortung übernehmen lernen
  • Entwicklung der Fähigkeit, vertiefte Beziehungen aufzunehmen und zu halten
  • Erarbeitung einer selbstbestimmten Lebensperspektive unter Berücksichtigung notwendiger Abhängigkeiten (wie z.B. Arbeitsplatz, Partnerschaft, Wohnung etc.).
3. Therapeutische Methoden
Der Behandlungsansatz ist tiefenpsychologisch begründet.

Der Schwerpunkt der therapeutischen Arbeit liegt in der Gruppenpsychotherapie. Die Gruppenpsychotherapie ermöglicht sowohl Ich-Entlastung als auch Ich-Stärkung. Die Patienten sind mit ihrem Alltag konfrontiert: schon damit ist ein Realitätsbezug gegeben, der auch in der Gruppenpsychotherapie immer wieder hergestellt wird und viele Möglichkeiten bietet, Beziehungen zu klären und angemessen zu gestalten.

Identifikationsmöglichkeiten sind vielfältig vorhanden. Spiegelfunktionen in der Gruppe können genutzt werden. Angemessenes soziales Verhalten und die Übernahme von Verantwortung werden gefördert und erprobt. Auf der Basis neu gewonnener Einsichten und Erkenntnisse werden neue und alternative Bewältigungschritte und Verhaltensweisen erarbeitet und schon im Alltag trainiert. Neben den verbalen Methoden werden in der Gruppen- psychotherapie auch bildnerisch-kreative Mittel eingesetzt.

Die Patienten in der tagesklinischen Behandlung werden in eine der vorhandenen Therapiegruppen integriert bzw. verbleiben in einer dieser Gruppen. Sie erhalten alle Elemente der vollstationären Behandlung, wie ausführliche Anamnese, medizinische Diagnose, medzinische Behandlung, testpsychologische Untersuchung etc. Auch werden wie bei vollstationären Patienten sozial- medizinische Fragestellungen ausführlich erörtert, und es werden Lösungen vorgeschlagen.

Die Gruppenpsychotherapie wird durch Einzelpsychotherapie (nach Bedarf) begleitet.
Die Behandlung wird ergänzt durch Indikative Gruppenarbeit, wie z. B. Themenstellungen zur sozialen Kompetenz, zu beruflichen Fragen, zur aktuellen Lebensbewältigung, zu medizinischen Fragen, zu Fragen der Ethik, Philosophie, Religion etc. Auch männliches und weibliches Rollenverständnis werden thematisiert.
Sporttherapie und bei Bedarf Physiotherapie werden ebenfalls angeboten.

Es findet in geringem Umfang Arbeitstherapie statt. Die Patienten sind zum Teil vom hauswirtschaftlichen Dienst befreit, da sie den eigenen Haushalt zu versorgen haben. Eine Beteiligung am Küchendienst (mittags) ist vorgesehen.

Für Arbeitslose und von Arbeitslosigkeit bedrohte Patienten findet eine wöchentliche Veranstaltung „Berufliche Fragen“ statt.

Beschäftigungstherapeutische Aktivitäten sollen die Patienten in die Lage versetzen, ihre Freizeit sinnvoll zu nutzen. Die Patienten nehmen deshalb einmal im Monat an einem  entsprechenden Workshop am Wochenende teil (Samstag/Sonntag jeweils 4 Stunden).

Alle 4 Wochen findet am Samstag ein Angehörigenseminar statt. An dieser Veranstaltung nehmen die teilstationären Patienten teil. Die Einbeziehung von Angehörigen, Partnern und wichtigen Bezugspersonen in den therapeutischen Prozeß ist notwendig, weil nicht selten dem Suchtkranken als dem schwächsten Glied einer gestörten Gemeinschaft die Rolle des Symptomträgers zugetragen wird.

Die Patienten nehmen an Selbsthilfegruppen an ihrem Wohnort teil.

Die Patienten nehmen an therapeutischen Veranstaltungen über die Dauer von werktäglich durchschnittlich 6 Stunden teil. Es gilt der aktuelle Wochenplan (s. Anlage). Die Patienten bewegen sich in einem Setting wie bei einer stationären Therapie, wobei der Schwerpunkt bei den psychotherapeutischen Aktivitäten liegt.

4.  Behandlungsverlauf
Die nachfolgend aufgeführten Phasen gelten für die Patienten, für die die tagesklinische Behandlung eine Erstmaßnahme darstellt. Für Patienten,  die stationär begonnen haben, gilt meist die unten aufgeführte Phase III.

Phase I  (Aufnahmephase)
Alle neu aufgenommenen Patienten verbringen in der Regel zwei Wochen in der Aufnahmephase. Diese Phase dient der Eingewöhnung und der umfassenden Diagnostik (medizinische Diagnostik, Psychodiagnostik, wenn nötig Fokaldiagnostik). Es werden die Hauptprobleme der Patienten herausgearbeitet und in diesem Zusammenhang die Therapieziele formuliert.

Phase II  (Konfliktlösungsphase)
Der Therapeut leitet aktiv die Selbsterfahrungsprozesse in der Gruppe. Schwerpunkt der psychotherapeutischen Arbeit ist die Bearbeitung der Interaktion der Gruppenmitglieder, aber auch die Interaktion der Patienten mit ihrem sozialen Umfeld. Es werden die Beziehungen der Patienten untersucht, insbesondere auch die Beziehung der Patienten zum Gruppentherapeuten.

Diese Phase beinhaltet insbesondere die Bearbeitung von Übertragung  und Gegenübertragung. Durch die aktive Auseinandersetzung mit ihren derzeitigen Beziehungen und ihrem jeweiligen Verhalten lernen die Patienten sich selbst und andere besser kennen. Ihre defizitären Ich-Funktionen werden nachentwickelt und neues Verhalten wird erprobt, außerdem können Übertragungsfiguren bearbeitet werden.

Die Patienten erweitern ihre Kompetenzen, übernehmen Verantwortung, gewinnen Vertrauen in die eigene Kraft und  gelangen zu einer angemessenen Selbsteinschätzung. In diesem Zusammenhang werden auch Therapieziele formuliert und im weiteren Behandlungsverlauf fortgeschrieben.

Der Besuch von Selbsthilfegruppen ist in dieser Phase Pflicht. Es wird besonderer Wert darauf gelegt, daß alle Patienten nach der Entlassung in einer Selbsthilfegruppe mitarbeiten.

Die Patienten verbringen mindestens vier Wochen in dieser Phase.

Phase III  (Ablösungsphase)
Diese Phase gilt auch für Patienten nach Übergang von stationär zu teilstationär.

Die erarbeiteten Lösungen werden in der Realität erprobt.

Es geht jetzt um die Wiedereingliederung in den familiären und beruflichen Alltag. Die Arbeit in den Selbsthilfegruppen am Wohnort wird vertieft. Die Patienten nehmen immer kompetenter ihre Ich-Funktionen wahr.

Eine evtl. notwendige  Arbeitsuche wird initiiert und ermöglicht. Im Vordergrund steht dabei die Förderung von Eigeninitiative und Selbstverantwortung.

Bei Notwendigkeit werden die Patienten auf eine weiterführende ambulante Rehabilitation vorbereitet.

Auch die Behandlung in Modulen ist möglich, z.B. können stationäre Patienten, die die Phase III erreichen, in teilstationäre Behandlung wechseln.

5.  Behandlungsdauer
Die Behandlung dauert bei Erstbehandlung zwischen 8  und 12 Wochen. Sie orientiert sich an der individuellen Notwendigkeit der Patienten.

6.  Sonstiges
Für die tagesklinische Behandlung stehen 3 Plätze zur Verfügung.

Es gilt für die Patienten (in Modifikation) die Haus- und Therapieordnung der Fachklinik. Dies erstreckt sich insbesondere auf Pünktlichkeit und die verpflichtende Teilnahme an Veranstaltungen.

Die Patienten können die Dienste der Fachklinik auch bei Abwesenheit von der Fachklinik nutzen. Dies gilt insbesondere bei Krisen (z.B. tagsüber Kontakt zum diensthabenden Therapeuten, abends zur Nachtwache etc.).

Die Klinik nimmt am Qualitätssicherungsverfahren der Rentenversicherung teil, dies gilt auch für die teilstationären Patienten.

Es gelten die Richtlinien der Leistungsträger bezüglich der Fahrtkosten.

7.  Therapeutische Angebote und Stundenverteilung

Gruppenpsychotherapie
7,50 Std.
Indikative Gruppen (zum Teil freiwillig)
9,50 Std.
Arbeitstherapie
6,00 Std.
Kunst- und Gestaltungstherapie
(zum Teil als Workshop)  
5,00 Std.
Beschäftigungstherapie (Workshop)
2,00 Std.
Sporttherapie
1,50 Std.
Schwimmen
2,00 Std.
Plenum
0,25 Std.
Angehörigenarbeit (mtl.) 
0,75 Std.
 
34,50 Std.


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