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Konzeption

Anlage F -Schwerer gestörte Suchtkranke

1. Zielgruppe
2. Behandlungsziele
3. Therapeutische Methoden
4. Behandlungsverlauf
5. Behandlungsdauer
6. Personelle Besetzung
7. Stundenverteilung pro Woche

1. Zielgruppe
Frauen und Männer mit z.B. besonderer Beeinträchtigung der sozialen Fähigkeiten, Fehlen von lebenspraktischen Fertigkeiten, erheblichen biographischen Belastungen (antisoziale Persönlichkeitsstörungen im engeren Sinne können nicht behandelt werden). Hierbei können folgende Besonderheiten beschrieben werden:

  • strukturelle Ich-Störungen (z. B. spezifische Persönlichkeitsstörungen,  kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen, abnorme Gewohnheiten, Störungen der Impulskontrolle, depressive Syndrome usw.)
  • soziale Defizite
  • langjährige Suchtkarriere.

2.  Behandlungsziele
Für alle Patienten dieser Gruppe gelten als Behandlungsziele:

  • selbständige Lebensgestaltung
  • Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit bei dauerhafter Abstinenz.

Die Ziele für die einzelnen Patienten richten sich nach deren individuellen Voraussetzungen. Dabei handelt es sich z. B. um:

  • Erkennen von Abhängigkeitsstrukturen und Auseinandersetzung mit den Suchtmechanismen
  • realistische Selbsteinschätzung
  • Wahrnehmen und Akzeptieren von Grenzen
  • Entdecken und Entwickeln der Fähigkeit zur vertieften Beziehungsgestaltung
  • Wahrnehmen von und angemessener Umgang mit Konflikt- und Krisensituationen
  • Kritik annehmen und eigenes Verhalten konstruktiv ändern können
  • Verantwortung übernehmen
  • Erkennen und Ausdrücken der eigenen Wünsche und Gefühle
  • Entdecken und Entwickeln neuer Fähigkeiten, z. B. auf kreativem Gebiet
  • Erkennen, daß "Arbeit" Freude, Befriedigung und Selbstbestätigung sein kann.

3.  Therapeutische Methoden
Der Behandlungsansatz ist tiefenpsychologisch begründet. Es handelt sich um eine psychoanalytisch-interaktionelle Vorgehensweise, die an die Stelle des Prinzips "Deutung" das Prinzip "Antwort" setzt. Bedeutsam ist in der Psychotherapie die enge Verknüpfung mit der Arbeitstherapie. Psychotherapeutische und arbeitstherapeutische Ziele sind verschränkt. Konflikte, die im Arbeitsbereich entstehen, werden in der Gruppenpsychotherapie aufgegriffen und modellhaft gelöst. Die Patienten können dann die erarbeitete Lösung in der Arbeitstherapie erproben und lernen auf diese Weise, Probleme angemessener zu bewältigen. Hier findet eine Verbindung von Theorie und Praxis statt. Was theoretisch in der Gruppenpsychotherapie erarbeitet wird, wird praktisch in der Arbeitstherapie umgesetzt und vice versa.

Den meisten Patienten ist die Arbeitswelt bekannt. Dies war oft das Feld, auf dem sie Bestätigung und Anerkennung fanden. Dieses Erleben wird im therapeutischen Rahmen wiederbelebt. Deshalb braucht die Arbeitstherapie hinreichend Zeit und Raum. Es entwickelt sich ein "Arbeitsklima", in dem die Patienten Sicherheit verspüren, was ihr Selbstbewußtsein steigert. Zudem wird ihre Belastungsfähigkeit speziell gefördert.

Dadurch sind sie in der Lage, die in der Gruppenpsychotherapie gemachten Fortschritte im Feld der Arbeitstherapie umzusetzen. Auf diese Weise kommt es zu einer engen Verknüpfung zwischen Psychotherapie und der Arbeitstherapie, da die Patienten die Arbeitstherapie als Erprobungsfeld für in der Psychotherapie erarbeitete Möglichkeiten erleben.

Es ist notwendig, daß fünfmal in der Woche Arbeitstherapie stattfindet, um eine für dieses Vorgehen nötige Arbeitsatmosphäre zu erzielen.

Die Therapeuten orientieren sich in Psychotherapie und Arbeitstherapie am Prinzip der "kleinen Schritte". Es werden mit den Patienten individuell überschaubare und erreichbare Ziele entwickelt und festgelegt und u. a. in der Arbeitstherapie umgesetzt.

Auf diese Weise erlernen die Patienten die Bewältigung der für sie zunächst bedeutsamsten Störung. Die Patienten erkennen so immer genauer die sie steuernden Kräfte und sind immer besser in der Lage, anders als früher, die entsprechenden Situationen zu meistern.

In einem strukturgebenden Setting können die Patienten ein Leben mit Regeln neu erlernen. Sie erlernen es am Beispiel der Hausordnung, dem Einhalten von Absprachen, dem Training von Pünktlichkeit und der Verantwortungsübernahme in allen Bereichen der Behandlung. Sowohl in der Gruppenpsychotherapie als auch in der Arbeitstherapie wird diesen Themen besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Neben der Gruppenpsychotherapie wird nach Bedarf Einzelpsychotherapie durchgeführt.

Die Abteilung Huntetal ist für die Patienten gut überschaubar. Die Patienten werden von Anfang an in einen strukturierten Tagesablauf eingebunden. Das Prinzip der hohen Strukturierung ist durchgängig in allen therapeutischen Bereichen zu finden.

Zusätzlich werden Indikative Gruppen angeboten.

Des weiteren werden Beschäftigungstherapie, Sporttherapie und bei Bedarf Physiotherapie durchgeführt.
Regelmäßig findet Angehörigenarbeit statt.

Die Patienten nehmen an Veranstaltungen der Selbsthilfeorganisationen teil.

4.  Behandlungsverlauf
Die Behandlung ist in drei Phasen gegliedert:

Phase I (Aufnahmephase)
Alle neu aufgenommenen Patienten verbringen mindestens 3 Wochen in der Aufnahmegruppe. Hier findet eine umfassende medizinische und psychosoziale Diagnostik statt. Darauf  baut ein individueller Behandlungsplan auf. Des weiteren werden Therapieziele formuliert und kontinuierlich im Behandlungsverlauf fortgeschrieben. Diese Phase dient der physischen und psychischen Stabilisierung. Die Behandlungsmotivation soll hergestellt und gefestigt werden.

In der Arbeitstherapie werden die Patienten, wenn möglich, einem Patienten aus der Phase III zugeteilt, mit dem sie zusammenarbeiten und in dem sie einen ständigen Ansprechpartner finden. Die Patienten werden an die Arbeit herangeführt und für Tätigkeiten mit geringer körperlicher Belastung und wenig Verantwortung eingeteilt.

Mit dieser Phase sind zur Eingewöhnung und zum Schutz der Patienten Einschränkungen verbunden.

Phase II (interaktionell-strukturelle Phase)
In der Psychotherapiegruppe setzen sich die Patienten mit ihrem Selbst- und Fremdbild auseinander. Es geht um die Förderung von Kontakt- und Kommunikationsfähigkeiten, die Fähigkeit zur Affektidentifizierung und Affektverbalisierung wird immer wieder geübt. Dies führt auch zur Affektdifferenzierung, und die Neigung zum Ausagieren destruktiver Verhaltensmuster wird auf diese Weise vermindert.

In der Arbeitstherapie arbeiten die Patienten jetzt in Kleingruppen ohne ständige Anleitung, steigende Schwierigkeitsgrade bei der Arbeit sind zu bewältigen, wobei fachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten berücksichtigt werden. Es gibt klare Zielvorgaben, wobei Verantwortung und Selbstbewußtsein, selbständiges Arbeiten und auch die Teamarbeit entwickelt werden.

Die Patienten nehmen von jetzt an Veranstaltungen der Selbsthilfeorganisationen teil.

Diese Phase dauert mindestens 6 Wochen.

Phase III (Ablösephase)
Die Patienten dieser Phase haben ein gewisses Maß an Eigeninitiative und ausreichende psychische Stabilität gewonnen. Sie verfügen über eine ausreichend realistische Selbsteinschätzung. Sie erhalten erweiterte Rechte und Pflichten.

Es geht um die Förderung von Selbständigkeit und Eigeninitiative.
In der Arbeitstherapie arbeiten die Patienten eigenständig und selbstverantwortlich ohne ständige Anleitung und Kontrolle. Sie übernehmen Verantwortung in bestimmten Bereichen, z. B. Unterstützung neuer Patienten, Materialaufsicht, Tierversorgung etc..

Die Ablösung von der Klinik und die Vorbereitung auf das Leben nach der Entwöhnungsbehandlung wird thematisiert, die Öffnung nach außen wird durch Heimfahrten, Kontakte zum sozialen Umfeld sowie zu Selbsthilfegruppen gefördert. Die Richtlinien der Leistungsträger bezüglich Heimfahrten sind zu beachten.
Bei Notwendigkeit werden die Patienten auf eine Weiterbetreuung in Adaptions- oder Übergangseinrichtungen oder auf die ambulante Rehabilitation vorbereitet.

5.  Behandlungsdauer
Die Behandlung dauert in der Regel 16 Wochen.
Art und Schwere der Erkrankung bestimmen die Dauer der Behandlung.

6.  Personelle Besetzung
Die Psychotherapiegruppe wird von einem Psychotherapeuten hauptverantwortlich versorgt. Dieser wird von einem Co-Therapeuten unterstützt, der zweimal pro Woche an der Gruppenpsychotherapie teilnimmt. Der Psychotherapeut wird darüber hinaus in Bezug auf die übrigen Angebote (z. B. indikative Gruppen) von Angehörigen anderer Bereiche unterstützt.

7.  Stundenverteilung pro Woche

Gruppenpsychotherapie
7,50 Std.
Indikative Gruppen (zum Teil freiwillig)
7,00 Std.
Arbeitstherapie
15,00 Std.
Beschäftigungstherapie
 1,50 Std.
Sporttherapie
1,50 Std.
Schwimmen (freiwillig)
1,50 Std.
Sauna
1,50 Std.
Plenum
0,50 Std.
Angehörigenarbeit (alle 6 Wochen) 
0,50 Std.
Selbsthilfegruppe (14-tgl.)
1,00 Std.
 
37,50 Std.


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